Samstag, 9. Dezember 2017

Buchrezension: Adriana Popescu - Versehentlich verliebt

Adriana Popescu
Versehentlich verliebt


Inhalt:

"Kurz spiele ich mit dem Gedanken, ihn mit meiner Reisetasche k.o. zu schlagen, um dann mit seinem Gepäckwagen Fahrerflucht zu begehen."
Auf dem Weg nach Berlin bleibt die Reisebuchlektorin Pippa am Stuttgarter Flughafen hängen – und das ausgerechnet über die Feiertage! In der überfüllten Wartehalle lernt sie den ebenfalls gestrandeten Lukas aus Hamburg kennen, und schon bald erwärmt sein frecher Charme ihr chronisch gebrochenes Herz. Dann passiert es: Bevor Pippa es verhindern kann, hat sie sich versehentlich verliebt. Doch wohin geht die Reise für die beiden? Denn der nächste Abflug kommt bestimmt...

Rezension: 

Pippa Wunsch ist Single und musste deshalb noch kurz vor Weihnachten als Lektorin für Reiseführer für ihre Agentur eine chinesische Delegation durch Stuttgart führen. An Heiligabend möchte sie nun nur noch nach Berlin, wo ihre Familie auf sie wartet. Aufgrund des Schneetreibens in Stuttgart können keine Flugzeuge starten und so sitzt sie wütend und der Verzweiflung nahe mit einer kaputten Reisetasche in einer völlig überfüllten Wartehalle. 
Dort lernt sie nach kurzen Anlaufschwierigkeiten den charmanten Lukas kennen, der das Glück hat, dass dann doch noch sein Flug nach Hamburg abheben darf. Er entscheidet sich jedoch spontan dafür, am Weihnachtsabend bei Pippa zu bleiben. Die beiden kommen sich schnell näher und erzählen von ihren Sorgen. 
Pippa ist diejenige, die zwar Lektorin für Reiseführer ist, aber noch keine der Orte bereist hat, über die sie geschrieben hat. Mit einer latenten Flugangst wollte sie die Städte wie Paris, Rom und New York, von denen sie nur träumt, nicht allein aufsuchen. 
Lukas ist dagegen viel aufgeschlossener und spontaner und stellt sich für die Zukunft als Reisepartner zur Verfügung. 
Auch wenn sie sich bei all der Romantik am Flughafen emotional sehr nahe gekommen sind, ist fraglich, ob es auch nach Weihnachten für Pippa, die in Freiburg arbeitet, und den Hamburger eine Chance gibt. Als Pippa am ersten Weihnachtsfeiertag bei ihren Eltern in Berlin ist und sich Lukas nicht bei ihr meldet, ist sie schnell ernüchtert, als sie feststellt, dass er ihr eine falsche Handynummer gegeben hat...

Von Adriana Popescu hatte ich bereits früher die Young-Adult-Romane "Lieblingsmomente" und "Lieblingsgefühle" gelesen und auch bei "Versehentlich verliebt" überzeugt die Autorin durch einen erfrischenden, jugendlichen Schreibstil. 
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Pippa geschrieben, so dass man unmittelbar in ihre Gefühls- und Gedankenwelt eintauchen kann. Durch die Situation als zwei Gestrandete am Flughafen beschränkt sich der Roman nur auf Pippa und Lukas und schließt keine Nebencharaktere mitein. Das Buch ist allerdings auch durch die kurze gemeinsame Zeit von 24 Stunden und das Setting rund um den Stuttgarter Flughafen nicht so umfangreich, weshalb es auch mit den beiden und den zunächst witzigen, dann aber auch ernsthaften Dialogen nicht langweilig wird. 
Durch die Gespräche mit Lukas löst sich Pippa endgültig von ihrem Exfreund Benny, der sie mit einer Arbeitskollegin betrogen hat, und kann sich sogar vorstellen, nicht nur gedanklich auf Reisen zu gehen, sondern ihre Wunschziele tatsächlich aufzusuchen. Lukas könnte sich dabei nicht nur als Reisepartner, sondern auch als Lebensgefährte eignen. 

Der Roman ist in einem Rutsch sehr leichtgängig zu lesen und auch die Romantik kommt am Ende des Romans in der Hoffnung auf ein Happy End nicht zu kurz. Was mir allerdings weniger gefallen hat, waren in den Dialogen die Wiedergabe von Zitaten aus Büchern und Filmen. Hierbei sollte man sich ein wenig mit "Star Wars" oder "Der Herr der Ringe" auskennen oder sich zumindest für diese Bücher und Filme interessieren.

Der Liebesroman über zwei Singles, die von ihren letzten Partnern bitter enttäuscht worden sind, ist zwar vorhersehbar und wartet nicht mit tiefgründigen Wendungen oder Überraschungsmomenten auf, ist aber gerade wenn man auf Reisen mit der Bahn oder im Flieger unterwegs ist, genau die passende kurze und vor allem kurzweilige Lektüre dafür. Auch kurz vor Weihnachten eignet sich "Versehentlich verliebt" als romantischer und herrlich kitschiger Liebesroman zur Einstimmung auf die Feiertage. 





Freitag, 8. Dezember 2017

Buchrezension: Marie Adams - Glück schmeckt nach Popcorn

Marie Adams

Glück schmeckt nach Popcorn


Inhalt:

Martha führt ein kleines, aber renommiertes Programmkino – in dem sich allerlei Intellektuelle, Filmkritiker und Cineasten tummeln. Wie die meisten ihrer Gäste glaubt sie nicht an Happy Ends. Die gibt es im echten Leben schließlich auch nicht. Als ihre Mitarbeiterin und beste Freundin Susanna schwanger wird und der Liebe wegen wegzieht, gibt sie dem jungen Filmstudenten Erik eine Chance. Doch schon bald treibt er sie mit seinem Optimismus in den Wahnsinn. Er arbeitet nicht nur hinter den Kulissen an seinem Gute-Laune-Debüt, sondern möchte Martha auch noch davon überzeugen, dass das große Glück auch jenseits der Leinwand möglich ist.

Rezension: 

Martha ist seit drei Jahren Inhaberin eines kleinen Programmkinos in Köln. Sie zeigt dort nur ausgesuchte Filme und keine aktuellen Hollywood-Blockbuster. Sie selbst glaubt nicht mehr an Happy Ends, nachdem ihr Freund sie betrogen hat und seine neue Freundin von ihm schwanger ist. Martha hatte vor dem Beziehungsende eine Fehlgeburt. 

Trennung und Verlust des Babys hat Martha immer noch nicht richtig verarbeitet und wird bereits mit der nächsten Hiobsbotschaft konfrontiert: Ihre beste Freundin und Mitarbeiterin im "Lichtspielhaus", Susanna, ist schwanger und zieht zu ihrem Freund nach Hamburg. 

Auf der Suche nach einer neuen Mitarbeiterin meldet sich Erik Sommer bei ihr, der einen Nebenjob braucht. Er träumt als angehender Regisseur davon, einen erfolgreichen Film zu produzieren. Nachdem Martha kurz zuvor spät abends im Kino überfallen worden war, stellt sie den großgewachsenen, muskulösen Erik gerne ein. Der immer fröhliche Romantiker sorgt mit seinen Cocktails in der Bar des Kinos für Umsatzsteigerungen und auch Martha fühlt sich von seiner unbeschwerten Art angezogen, wehrt sich allerdings gegen ihre Gefühle. 
Erik tritt in Konkurrenz zu dem Filmkritiker Stefan, der ganz offensichtlich mit Martha flirtet. 

"Glück schmeckt nach Popcorn" spielt überwiegend in dem kleinen nostalgischen Kino, was mir als Schauplatz gut gefallen hat. Dei heimelige Atmosphäre dort sowie die Sorge Marthas, dass sie neben den großen Kinoketten nicht bestehen kann, sind spürbar. 

Die Liebesgeschichte um die einsame und weinerliche Martha und die beiden Männer, die um sie buhlen, ist jedoch vorhersehbar. Schon früh ahnt man als Leser, dass der arrogant anmutende Stefan im Gegensatz zu dem gefühlsbetonten, etwas unkonventionellen Erik nicht das Rennen um Marthas Gunst machen wird. 

Ich konnte allerdings zwischen keinem der Protagonisten eine emotionale Verbindung ausmachen. Diese so schnell aufkeimenden Gefühle zwischen Erik und Martha, gegen die sie ankämpft, weil sie sich aus Angst vor Enttäuschung auf keine neue Beziehung einlassen möchte, kamen bei mir nicht an. Die beiden teilten zwar die Leidenschaft zum Film und das kleine Kino, aber die Gefühle zueinander waren für den Verlauf des Romans einfach zu gewollt. Gerade das glückliche Ende kam dann völlig überraschend für mich. Die Entscheidung beider Personen für einander war für mich so nicht nachvollziehbar. 
Auch rätselte ich, warum Stefan bei ihren Begegnungen mit Martha flirtet, aber darüber hinaus wenig hartnäckig ist. Mir war nicht klar, ob er tatsächlich etwas für sie empfindet oder nur körperlich angezogen ist. 

Im Verlauf der Geschichte wurden mir die Charaktere nicht sympathischer, weshalb ich nicht wirklich auf das zu erwartenden Happy End à la Popcornkino für Martha hin fiebern konnte. In Bezug auf so manche Episode hätte ich mir mehr Kreativität gewünscht. So empfand ich die Begegnung von Martha mit ihrem Exfreund Tom samt schwangere Freundin im Supermarkt, als abgedroschen. Man wusste gleich, auf was das hinausläuft...

"Glück schmeckt nach Popcorn" ist ein leicht zu lesender Roman über Trennungsschmerz, Vertrauensverlust und die zaghafte Hinwendung an eine neue Liebe, bei der sich die Protagonistin mit ihrer pessimistischen Art am meisten selbst im Weg steht. 
Eine turbulente Geschichte, tiefe Gefühle oder überraschende Wendungen darf man allerdings nicht erwarten. 



Mittwoch, 6. Dezember 2017

Buchrezension: Virginia Macgregor - Solange unsere Herzen schlagen

Virginia Macgregor

Solange unsere Herzen schlagen


Inhalt:


Sechs Jahre lang war Ellas und Willas Mutter verschwunden. Jetzt steht Norah auf einmal wieder vor der Tür ihres ehemaligen Zuhauses. Doch viel hat sich verändert. Willa, die jüngere Tochter, erkennt sie nicht und nennt die neue Frau an der Seite ihres Vaters "Mummy". Die ältere Tochter Ella will nichts mit Norah zu tun haben. Und doch verlangen alle nach Antworten. Wo war Norah die ganze Zeit? Warum ist sie ausgerechnet jetzt zurückgekommen? Und gibt es genug Platz für zwei Mütter in einer Familie?


Rezension: 


Vor sechs Jahren ist Norah ohne Begründung verschwunden und hat ihren Ehemann Adam sowie ihre beiden Töchter Ella und Willa zurückgelassen. Jetzt steht sie plötzlich an einem Freitag Morgen in der Willoughby Street in dem kleinen Städtchen Holdingwell und kommt wie selbstverständlich in ihr altes Zuhause, während Adam und Kinder in der Arbeit bzw. der Schule sind.

Was Norah nicht weiß, ist, dass ihre ehemalige beste Freundin, die Chirurgin Fay, inzwischen mit Adam zusammenlebt und Willa wie ihre eigene Tochter angenommen hat. Die heute siebenjährige war zum Zeitpunkt des Verschwindens von Norah noch so klein, dass sie keine Erinnerung an ihre Mutter hat und noch nicht einmal ahnt, dass Fay nicht ihre leibliche "Mummy" ist. Ella war damals schon acht und hat ihre Mum geliebt, ihr in allem - sei es die Leidenschaft für Jazz und das Trompetespielen oder das Laufen - nachgeeifert. Sie hat nie aufgegeben zu glauben, dass ihre Mutter zurückkommt und hat für die in ihren Augen Vermisste einen eigenen Twitterkanal gepflegt, um sie wiederzufinden.

Norah bringt mit ihrer Rückkehr das gesamte Familienleben durcheinander. Adam weiß nicht mehr, welche Frau er liebt, Willa möchte einfach nur, dass alle als Großfamilie zusammenleben und miteinander glücklich sind und Ella begreift, dass sie Fay furchtbar unrecht getan hat, indem sie ihre Ablehnung all die Jahre so offen zeigte und dass sie sich schwer in Norah getäuscht hat.

Der Roman erstreckt sich über den kurzen Zeitraum von Freitag bis Mittwoch, in dem für die Familie Wells aber unheimlich viel Einschneidendes passiert. Er ist abwechselnd aus der Sicht der einzelnen Familienmitglieder erzählt, so dass man als Leser in die Gefühls- und Gedankenwelt aller wichtigsten Akteure eintauchen kann. Alle Charakter sind komplex und detailliert ausgearbeitet und es unheimlich kurzweilig und interessant zu lesen, wie sie auf die Rückkehr von Norah reagieren bzw. welche Folgen "Die Mutter, Die Gegangen Ist" damit für das Familienleben auslöst.

Spannend ist zudem zu erfahren, warum Norah damals ihre Familie allein gelassen hat und warum sie ausgerechnet jetzt nach sechs Jahren, zwei Tage vor Willas Geburtstag, zurückkehrt.

"Solange unsere Herzen schlagen" ist ein sehr kitschiger Titel für eine berührende Familiengeschichte, die trotz ihrer Länge von knapp 600 Seiten nie langweilig wird.
Der Roman ist so warmherzig und liebevoll geschrieben, was sich vor allem in den Kapitel aus der naiven Perspektive der süßen Willa und der unglücklichen, aber starken und so gutherzigen Fay, "Die Mutter, Die Geblieben Ist", wiederspiegelt. Aber auch mit Ella leidet man als Leser(in) mit, die von ihrer Mutter so furchtbar vor den Kopf gestoßen wurde.

Norah steht für die impulsive, freiheitliebende Frau, mit der es Adam nie langweilig geworden ist. Sie war vor allem in der Vergangenheit ein hedonistischer Mensch und hat selbst für ihre Kinder keine Regeln aufgestellt.
Fay ist das genaue Gegenteil von Norah. Sie ist bodenständig und zuverlässig und kümmert sich selbstlos mehr um andere als um sich selbst.

Der Roman zeigt das Leben einer Familie, die sich mit der Flucht der Mutter arrangiert hatte und nun scheinbar wieder von Neuem beginnen muss. Virginia Macgregor zeigt, was es heißt, Mutter bzw. Vater zu sein und dass nicht jeder Elternteil ab Geburt in die Rolle einer verantwortungsbewussten Mutter oder Vater schlüpfen kann.

Ich habe diesen zu Herzen gehenden Roman über die unkonventionelle Familie Wells regelrecht verschlungen. Es ist eine emotionale und mitreißende Geschichte mit zahlreichen liebenswürdigen Charakteren und eine wirklich überzeugend realistische Darstellung einer Familie in der Krise.





Montag, 4. Dezember 2017

Buchrezension: Cara Delevingne - Mirror Mirror

Cara Delevingne

Mirror Mirror


Inhalt: 

Freund. Lover. Opfer. Verräter. 
Wen siehst du, wenn du in den Spiegel schaust?

Red, Leo, Rose und Naomi sind Außenseiter an ihrer Londoner Schule - die einen sicheren Hafen in ihrer Band gefunden haben. Ihr Leben ist alles andere als perfekt, aber ihre Musik verbindet sie, und sie sind gespannt, was die Zukunft für die Band Mirror, Mirror bereit hält.
Doch dann verschwindet Naomi und wird später bewusstlos aus der Themse gezogen. Ihre Freunde sind erschüttert und verwirrt. War es ein Unfall – oder ein missglückter Selbstmordversuch, wie die Polizei glaubt? Wenn sie Probleme hatte, warum hat sie ihnen nichts davon gesagt? Wie gut kennen sie ihre Bassistin eigentlich – und einander?
Um zu verstehen, was mit Naomi passiert ist, müssen Red, Leo und Rose sich schließlich ihren eigenen dunklen Geheimnisse stellen und das, was sie fühlen, mit dem, was sie der Außenwelt zeigen, in Einklang bringen.


Rezension:

Cara Delevingne hat diesen Roman zusammen mit Rowan Coleman geschrieben, deren Romane mich bisher alle überzeugt hatten, weshalb ich auch diese Buch unbedingt lesen wollte. 

Vier Schüler einer Londoner Highschool werden für ein Projekt im Musikunterricht zur Band "Mirror Mirror" zusammengewürfelt. Red, Leo, Rose und Naomi sind vier Teenager im Alter von sechzehn Jahren, die sich zu Hause und in der Schule mit unterschiedlichen Problemen konfrontiert sehen. 

Die Band wird zu ihrer Familie und ihr Musiklehrer Mr. Smith ist von ihrem Talent und einer Zukunft über eine reine Schulband hinaus überzeugt. Da verschwindet Bassistin Naomi spurlos und wird Wochen später schwer verletzt aus der Themse gezogen. Während sie von den Ärzten ins künstliche Koma versetzt wird, fragen sich ihre Freunde, was mit ihr passiert ist. 

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Red erzählt, die sich liebevoll um ihre siebenjährige Schwester Gracie kümmert, da ihre Eltern nicht dazu in der Lage scheinen. Ihre Mutter ist eine schwere Alkoholikerin, die nur noch stinkend im Bett liegt und sich allein von Wodka ernährt. Der Vater hat sich von ihr abgewandt und kommt nur noch nach Hause, um seine Wäsche zu wechseln. Red fühlt sich allein und ist überfordert, ihre eigene Identität zu finden. Darüber hinaus hat sie sich in Rose verliebt, die sich brüsk ablehnt und ein regelrechtes Mobbing von Red an der Schule auslöst. 
Rose muss allerdings selbst Schreckliches widerfahren sein, dass sie auf einen versuchten Kuss so übertrieben reagiert. 
Leo muss sich wieder an seinen älteren Bruder Aaron gewöhnen, der gerade aus der Haft entlassen wurde. Er war wegen schwerer Körperverletzung verurteilt worden und scheint sich immer noch im kriminellen Milieu zu bewegen. Leo muss aufpassen, dass er sich da nicht mit hineinziehen lässt. 
Neben ihren persönlichen Problemen machen sie sich weiterhin Sorgen um Naomi und ihren Gesundheitszustand und versuchen mit Hilfe ihrer Halbschwester Ashira herauszufinden, warum Naomi vermeintlich abgehauen ist und was ihr widerfahren ist. 

"Mirror Mirror" ist ein Buch über Freundschaft und die gegenseitige Unterstützung von vier Außenseitern, die unterschiedlich sozialisiert wurden und es in ihrem Leben bisher nicht leicht gehabt haben. Das Projekt der Schulband gab ihnen den Halt, den sie in ihren Familien nicht fanden, bis ein Bandmitglied verschollen und schwer verletzt wieder aufgetaucht ist. 
Durch die vielen Ungereimtheiten um Naomi, das mysteriöse Tattoo, das neu gestochen wurde und ihr Handy, dass die Freunde auf einem Spielplatz finden, ist "Mirror Mirror" so aufregend wie ein Thriller zu lesen. Es ist ein spannender Jugendroman und ein wirklich gelungenes Debüt des Models Cara Delevingne, das mich mit seiner Vielschichtigkeit und Tiefgang positiv überrascht hat. 



Samstag, 2. Dezember 2017

Buchrezension: Anneke Mohn - Apfelrosenzeit

Anneke Mohn

Apfelrosenzeit


Inhalt:

Das Haus mit den Apfelrosenhecken steckt voller Erinnerungen: Hier haben Sanne, Fritzi, Mona und Kirsten zu Studienzeiten in einer WG gelebt. 15 Jahre später treffen sich die Freundinnen wieder vor dem Haus an der Kieler Förde. Um es zu entrümpeln - denn es steht leer, seit Isa, die fünfte im Bunde, bei einem Autounfall starb. Sofort ist die alte Vertrautheit wieder da: Tagsüber wird ausgeräumt, abends bei Rotwein über das Leben geredet. Doch jede der Frauen hat Geheimnisse, die sie lieber nicht erzählt. Als an einem kalten Dezembertag die Heizung ausfällt und sich die Freundinnen um den warmen Ofen versammeln, kommt es zum Eklat. Und nichts ist mehr, wie es einmal war.

Rezension: 

Isa ist bei einem Autounfall verstorben und vererbt ihren vier Freundinnen, mit denen sie zu Studienzeiten vor 15 Jahren gemeinsam als WG in dem Haus in Kiel gewohnt haben, das Anwesen. 

Die vier Frauen, die sich auseinandergelebt haben, treffen sich an den Wochenenden, um das Haus zu entrümpeln. Jede der vier hat mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. 

Sanne ist früh Mutter geworden und musste deshalb ihr Studium abbrechen. Sie ist mit Robert verheiratet, der in seinem Beruf aufgeht und selten zu Hause ist und da ihre Kinder langsam flügge werden, langweilt sich Hausfrau Sanne und bereut es, nie einen Beruf erlernt zu haben. Vor Kurzem ist die Familie aufs Land gezogen, wo Sanne den Reitlehrer ihrer Tochter kennengelernt hat und sich zu ihm angezogen fühlt. 

Auch Kirsten ist nur scheinbar glücklich mit ihrem Ehemann Bernd verheiratet. Das Paar ist ungewollt kinderlos, was vor allem Kirsten belastet, da keine körperlichen Ursachen feststellbar sind. Zudem reibt sie sich in ihrem Beruf als Lehrerin auf, da sie derzeit auch noch den Direktor vertritt. 

Fritzi ist frisch geschieden von ihrem Ehemann, der sie betrogen hat. Sie fühlt sich befreit, da die beiden scheinbar nie zusammengepasst haben. Beide kümmern sich gemeinsam um die fünfjährige Tochter Anna. 

Mona hält nichts von der Ehe, war nie verheiratet und hatte bislang immer wechselnde Beziehungen. Derzeit ist sie mit Peter zusammen, der verheiratet ist, und von dem sie ungewollt schwanger wird. 

Als sich die vier unterschiedlichen Frauen wieder regelmäßig treffen, werden die Geheimnisse der einzelnen, die sich nicht verbergen lassen, nach und nach aufgedeckt. Insbesondere eines belastet die Freundschaft der vier, die dadurch auseinanderzubrechen droht. 

Die vier Protagonistinnen befinden sich in einer Phase des Umbruchs oder sehen sich mit Lebenskrisen konfrontiert. Es sind Frauen Anfang 40, die mit lebensnahen Problemen in Beruf und Beziehung zu kämpfen haben und im Verlauf des Romans und mit Hilfe der drei anderen, das nötige Selbstbewusstsein und den Mut entwickeln, diese zu bewältigen. 

Da es sich um vier bzw. fünf Frauen handelt, bleiben die Probleme aufgrund des geringen Umfangs des Romans allerdings an der Oberfläche und werden am Ende zu einfach gelöst, um ein Happy End herbeizuführen. 

Anneke Mohn legt den Schwerpunkt je Kapitel auf eine der Frauen, wobei vor allem Sanne im Mittelpunkt der Handlung steht. Ein tieferer Einblick in die Gefühlswelt der Protagonistinnen wird durch den Perspektivenwechsel allerdings nicht geschaffen. Die vier Frauen und ihre unterschiedlichen Lebensgeschichten wirkten nicht sehr substantiell. 

Es ist ein Roman über Freundschaft und Frauen in der Midlife Crisis, der sich über ein Jahr erstreckt und flüssig zu lesen ist, aber an der Oberfläche bleibt. Insbesondere das Schicksal von Isa und ihren fraglichen Unfalltod, der die übrigen Freundinnen wieder zusammenführt, blieb leider sehr vage, die Problemlösungsstrategien zu simpel. 



Freitag, 1. Dezember 2017

Buchrezension: Eowyn Ivey - Das Schneemädchen

Eowyn Ivey

Das Schneemädchen


Inhalt: 

Alaska in den 1920er Jahren: In dem Wunsch, neu anzufangen, zieht das kinderlose Paar Mabel und Jack nach Alaska. Das harte Leben in der Wildnis setzt den unerfahrenen Neusiedlern sehr zu. Mit dem ersten Schneefall überkommt die beiden jedoch ein schon verloren geglaubter Übermut, und sie bauen zusammen ein Kind aus Schnee. Tags darauf entdecken sie zum ersten Mal das feenhafte blonde Mädchen zwischen den Bäumen am Waldrand. Woher kommt das Kind? Wie kann es allein in der Wildnis überleben? Und was hat es mit den kleinen Fußspuren auf sich, die von Mabels und Jacks Blockhaus wegführen?

Rezension: 

Nachdem Mabel vor zehn Jahren eine Fehlgeburt hatte und das Paar kinderlos geblieben ist, überredet Mabel ihren Mann Jack einen Neuanfang in Alaska zu wagen. Sie ziehen in ein Blockhaus und wollen als Farmer ihren Lebensunterhalt bestreiten. Während Jack die Felder bestellt ist Mabel allein zu Hause und trägt durch das Backen von Kuchen zum Einkommen bei. Sie ist einsam und trauert immer noch um ihr verstorbenes Baby. 
Im ersten Winter bauen sie übermütig ein Kind aus Schnee und einen Tag später bekommen sie Besuch von einem kleinen, elfengleichen Mädchen, das aus den Wäldern zu kommen scheint. Fortan besucht sie das Paar regelmäßig, bleibt aber nie über der Nacht in der warmen Blockhütte. 
Niemand hat bisher etwas von diesem mysteriösen Mädchen gehört, dessen Begleiter ein Fuchs ist. Mabel und Jack sind unsicher, ob es sich bei Faina nur um einen Wunschtraum handelt. Bevor das Eis schmilzt, ist das Mädchen verschwunden und zeigt sich den ganzen Sommer über nicht. 
Mabel ist enttäuscht, aber davon überzeugt, dass ihr Schneemädchen im nächsten Winter wieder kommen wird. Sie näht ihr für ihre Rückkehr einen wärmenden Mantel, um sich zu beschäftigen. Zudem schließt das Paar Freundschaft mit Esther und George, deren Sohn Garret ihnen in der Not auf der Farm behilflich ist. 

"Das Schneemädchen" spielt in den 1920er-Jahren in Alaska. Es ist ein magischer Roman, der die Melancholie und Traurigkeit des Paares Mabel und Jack darstellt, die aus ihrer Heimat regelrecht geflüchtet sind, um ihr altes Leben und den Tod ihres einzigen Kindes hinter sich zu lassen. 
Schicksalhaft treffen sie in ihrem ersten Winter in Alaska auf ein Mädchen, das sie scheinbar aus dem Schnee erschaffen haben. Mabel entwickelt unweigerlich Muttergefühle und möchte das Mädchen am liebsten bei sich aufnehmen. Faina wehrt sich dagegen und favorisiert ihr unabhängiges Leben in der einsamen Wildnis. 
Was wie ein Märchen anmutet, zeigt im Laufe der Jahre, als Faina zu einer jungen Frau heranreift, dass das Schneemädchen nicht nur eine Einbildung oder die personifizierte Hoffnung von Jack und Mabel ist. 

Es ist ein ganz zauberhafter Roman, der einerseits das harte Leben in Alaska und andererseits auch den Zusammenhalt eines Paares trotz ihrer ungewollten Kinderlosigkeit beschreibt. Seit der Anwesenheit von Faina - und sei es zunächst auch nur in den Wintermonaten - blüht das Paar, insbesondere Mabel, auf und auch die Sorgen um die Farm und ihre wirtschaftliche Zukunft werden weniger. Durch die Beschreibung über mehrere Jahre hinweg ist zudem schön zu lesen, wie sich die Charaktere weiterentwickeln, wie Mabel selbstbewusster und Garret erwachsen wird. 

"Das Schneemädchen" ist ein winterlicher Roman, der es am Ende der Fantasie des Lesers überlässt, was es mit Faina tatsächlich auf sich hat. Für mich war sie letztlich keine märchenhafte Gestalt, sondern ein Mensch, der sich lieber in die Einsamkeit zurückzog, lieber mit den Tieren in der Wildnis lebte, als sich an ein Zuhause und eine Familie zu binden. 



Mittwoch, 29. November 2017

Buchrezension: Stefán Máni - Der Stier und das Mädchen

Stefán Máni

Der Stier und das Mädchen


Inhalt: 

In einer verlassenen Ecke Islands, wo der weite Himmel bis zur Erde reicht und nur das Brausen des fernen Meeres zu hören ist, haben zwei junge Touristinnen eine Autopanne. Zu Fuß erreichen sie einen einsamen Bauernhof. Auf ihrer Suche nach den Bewohnern entdecken sie in der Scheune zwei Tote, grausam zugerichtet. Auch im Wohnhaus machen sie einen ähnlich entsetzlichen Fund. Aber bevor sie fliehen können, merken sie, dass sie nicht allein auf dem Hof sind. 

Rezension: 

Aufgrund der Beschreibung des Klappentextes hatte ich einen Thriller erwartet, der auf einem Bauernhof handelt, auf dem die beiden Touristinnen einen Kampf um Leben und Tod ausfechten müssen. Der Inhalt des Romans gestaltet sich dann aber ganz anders, was nicht schlecht, aber zumindest überraschend war. 

Der Thriller beginnt insofern mit dem Ende, mit dem Fund der Leichen. Anschließend erfolgt rückblickend die Erzählung, wie es zu den Morden auf dem Bauernhof kommen konnte. 

Hanna bewegt sich in einem Sumpf aus Prostitution und Drogen. Sie ist mit dem skrupellosen Drogenboss Anton zusammen, hat aber gleichzeitig ein Verhältnis mit Rikki. Halbherzig versucht sie von Antont loszukommen, um zusammen mit Rikki einen Neuanfang im Ausland zu wagen. Sie stiehlt ihm deshalb die Diamanten, die Rikki ursprünglich auf einem Raubzug besorgt hatte, um seine Schulden bei Anton zu begleichen. 

Parallel dazu verläuft die Handlung auf dem Bauernhof, als Rikki sich dort einschleicht. Er trifft auf einen patriarchalischen Bauern, seine verschüchterte Ehefrau und einen zurückgebliebenen Sohn, die auf dem verdreckten Hof leben, der wirtschaftlich kaum ertragreich ist. Rikki wird Zeuge davon, wie grausam Bauer Jonatán seinen Sohn behandelt und seinen besten Freund, den Stier Hannibal aus reiner Bosheit tötet. 

Die Erzählung erfolgt weder in chronologischer Reihenfolge, noch nach den Schauplätzen oder Protagonisten. Nach und nach ziehen sich die Handlungsstränge zusammen und ergeben für den Leser einen Sinn. Bis dahin ist zwar klar, wer die Toten sind, es bleibt jedoch bis zum Schluss spannend und für mich auch unerwartet, was sich letztlich ereignet hat. 

Grauenhaft ist zu lesen, was das Mädchen Hanna und der Stier, der symbolisch für einen Menschen steht, über die Jahre erlitten haben. In dem Thriller werden die Opfer aufgrund ihrer unmenschlichen Erfahrungen zu Tätern. Es ist ein Teufelskreis aus Missbrauch und Gewalt, ein Familiendrama, das in einem mehrfachen Mord gipfelt. 

"Der Stier und das Mädchen" ist ein grausamer, erschütternder Thriller, der den Abgrund der menschlichen Seele zeigt und auf eine komplexe Erzählweise beschrieben wird. Gespannt auf die Auflösung springt man von einer Episode zur nächsten, bis der Mordfall am Ende schlüssig und nachvollziehbar aufgelöst wird.